Arndt Wigger

Wenn es um Sprachlehrinstitutionen mit diesem latinisierenden Namenstyp geht, denkt man zumindest im Rahmen dieses Bandes an die vier Teilinstitute des LSI. Bei einem Celticum kann es sich nun nicht um eine einfache Analogie zu Russicum, Arabicum etc. handeln, denn weder gibt es eine Einzelsprache namens ``Keltisch'', noch hat in irgendeinem Land der gegenwärtigen Welt eine keltische Sprache einen Status, der den im LSI gelehrten Sprachen auch nur annähernd gleichzusetzen wäre. Daher muß die Errichtung eines Studienhauses für keltische Sprachen und Kulturen, über das hier berichtet werden soll, von besonderen Voraussetzungen ausgehen und eine daran angepaßte eigene Konzeption entwickeln.

1. Die vier gegenwärtigen keltischen Schrift- und Umgangssprachen Irisch und Schottisch-Gälisch (Goidelischer Zweig des Keltischen; q-Keltisch) sowie Walisisch (= Kymrisch) und Bretonisch (Britannischer Zweige des Keltischen; p-Keltisch) sind als Relikte des keltischen Zweiges der indogermanischen Sprachfamilie anzusehen. Die Überlieferung des Festlandskeltischen (Gallisch, Keltiberisch, Lepontisch), das bis in die Spätantike in großen Teilen Mittel- und Südeuropas verbreitet war, ist verhältnismäßig schwach (``Trümmersprachen''), obwohl die historisch-vergleichende Sprachwissenschaft auf der Basis der vorhandenen Sprachdenkmäler ein ziemlich genaues Bild großer Teile dieser Sprachen rekonstruiert hat. Vor allem durch das Vordringen germanischsprachiger Völker hat sich bis zum Mittelalter eine Situation ergeben, die das Keltische in mehreren deutlich verschiedenen Restsprachen an der atlantischen Peripherie Westeuropas zeigt. Anders als die meisten späteren Nationalsprachen Europas sind Gälisch und Britannisch schon im frühen Mittelalter als kodifizierte Schriftsprachen Träger einer vielseitigen und reichhaltigen Literatur, die sowohl Inhalte und Formen der eigenen keltischen Vorgeschichte, als auch solche der christlich-mediterranen Kultur umfaßt. Die Auseinandersetzung mit der mittelalterlichen irischen und kymrischen Sprach- und Literaturgeschichte ist seit langem auch der vorherrschende Arbeitsbereich der Keltologie.

Im weiteren Verlauf der Geschichte hat sich innerhalb der einzelnen keltischen Länder der Verdrängungsprozeß in ähnlicher Weise fortgesetzt: die autochthonen Sprachgebiete liegen heute durchweg entlang dem westlichen Küstensaum von Schottland (v.a. auf dem Hebriden), Irland, Wales und der Bretagne. Die Entwicklung hin zu Nationalsprachen im modernen Sinn ist aufgrund der Dominanz anderssprachiger Machtzentren nie erreicht worden. Heute sind die keltischen Sprachen typische westeuropäische Minderheitensprachen und als solche auch Objekte entsprechender Sprachpolitik, zunächst in den jeweiligen Ländern, seit kurzem aber auch im Bereich europäischer Institutionen (European Bureau for Lesser Used Languages (Dublin); Generaldirektion XXII der Europäischen Kommission (Brüssel)). In Irland hat sich seit Beginn des Jahrhunderts insofern eine besondere Situation ergeben, als die weitgehend auch auf kulturell-sprachlicher Emanzipation beruhende politische Unabhängigkeit stets mit der Rehabilitierung der irischen Sprache verknüpft war. Zwar wird das Irische in der Verfassung der Republik als Nationalsprache und als primäre Amtssprache definiert, der irischsprachige Teil der Bevölkerung stellt aber auch hier eine schwindende Minderheit dar, die ihre verbrieften Rechte manchmal nur schwer durchsetzen kann.

Bei allen bisher skizzierten Gemeinsamkeiten weisen die Sprachenverhältnisse in den keltischen Ländern jeweils besondere Züge auf, die darzustellen hier nicht möglich ist (Näheres z.B. in Ball, Martin J. & James Fife (eds.): The Celtic Languages. London 1993). Zu erwähnen sind aber noch zwei weitere keltische Sprachen, die insofern als ausgestorben gelten können, als die native Tradition des Sprachgebrauchs abgebrochen ist: Manx (Gälisch auf der Isle of Man) und Kornisch (das Britannische von Cornwall). Es bleibt abzuwarten, ob die Versuche, diese beiden Sprachen in ihren historischen Gebieten neu zu verankern, dauerhaften Erfolg haben werden.

2. Die wissenschaftliche Erforschung der keltischen Sprachen und Literaturen ist naturgemäß in den betreffenden Ländern am stärksten institutionalisiert und differenziert. Entsprechende Forschungs- und Ausbildungsstätten sind an fast allen Universitäten in Irland, Schottland und Wales vorhanden. Neben England, Frankreich und den USA sind gegenwärtig u.a. in Schweden, Polen, Holland, Österreich und Deutschland einzelne Standorte der Keltologie auszumachen. Obwohl der relativ große Beitrag deutsch(sprachig)er Gelehrter seit der Entstehung des Faches häufig hervorgehoben wurde (Vgl. Schmidt, K.H.: Stand und Aufgaben der deutschsprachigen Keltologie. In: Rockel, Martin & S.Zimmer (eds.): Akten des ersten Symposiums deutschsprachiger Keltologen. Tübingen 1993. S.1-36, Siehe auch: Tristram, Hildegard L.C.: 150 Jahre deutsche Hibernistik. In: ds. (ed.): Deutsche, Kelten und Iren. Hamburg 1990. S.11-54), ist es hierzulande stets eher als Anhängsel der Indogermanistik betrieben worden. Einen Lehrstuhl für Keltologie hat es seit der Nachkriegszeit in Deutschland nie wieder gegeben (Dies dürfte teilweise durch das politische ``Engagement'' einiger Fachkollegen im Nazideutschland bedingt sein.), und von den Universitäten mit traditionellem keltologischem Schwerpunkt (Berlin, Hamburg, Bonn) bietet heute nur noch Bonn einen voll ausgebauten Studiengang für dieses Fach an. Der größte Teil der wissenschaftlich auf diesem Gebiet tätigen und ausgebildeten Linguisten, Philologen oder Historiker ist primär in einem anderen Fach beheimatet (Indogermanistik, Linguistik, Anglistik, Romanistik, Germanistik, Archäologie u.a.).

Auch in der gegenwärtigen deutschen Keltologie dominiert noch die traditionelle historisch-philologische Orientierung. Auch wenn die modernen Sprachen im Lehrangebot mehr oder weniger vertreten sind etwa durch das ständige Lektorat in Bonn, so ist doch die Forschungstätigkeit in Bereichen wie strukturelle Grammatik, Phonetik, Dialektologie oder Soziolinguistik sehr eingeschränkt (Ein diesem Bereich zuzuordnendes DFG-Projekt wird an der Universität Wuppertal unter Leitung des Verf. betrieben. Vgl. auch Wigger, Arndt: Stand und Aufgaben der irischen Dialektologie. In Rockel/Zimmer 1993, S.371-84).

Der Anteil jüngerer Keltologen ist auffallend hoch, und das begrenzte Lehrangebot wird auch von der jetzigen Studentengeneration gut angenommen; in Bonn sind ca. 70 Einschreibungen (Haupt- und Nebenfach) zu verzeichnen. Es entsteht also ständig Nachwuchs für ein institutionell kaum existierendes Fach; ein kleiner Teil dieses Nachwuchses findet schließlich den Weg nach Irland, Schottland oder Wales. Ein Ausbau der universitären Keltologie ist in Deutschland in näherer Zukunft natürlich nicht zu erwarten, wie die wohl endgültige Schließung des Faches an der Humboldt-Universität zeigt. Die Kluft zwischen Angebot und Nachfrage hat deutlich zugenommen, und das nicht nur rein quantitativ, sondern auch insofern, als sich heute ein sehr viel stärkeres Interesse an den gegenwärtigen Sprachen und Sprachenverhältnissen artikuliert.

3. Die keltischen Länder sind heute sehr viel stärker im Bewußtsein der meisten Mitteleuropäer als dies noch vor 20 bis 30 Jahren der Fall war. Neben der beachtlichen Entwicklungsdynamik gerade Irlands ist die Entfaltung der Medien, die Ausweitung des Tourismus und der Kulturexport in Bereichen wie Folklore oder Filmkunst hierfür ebenso als Grund anzusehen wie die Lockerung des politischen wie ideologischen Zentralismus in Großbritannien und Frankreich. Der Nebel am Celtic Fringe hat sich aufgelöst (Wenn ich 1970 im größten Hamburger Reisebüro mit der Auskunft, es gebe in Irland gar keine Eisenbahn, abgewiesen werde, so verabschiedet sich heute eine Bonner Telefonauskunftsperson mit slán).

Unter der stattlichen Minderheit der ``Regentouristen'' befindet sich eine große Anzahl Menschen, die ernsthaftes und tiefergehendes Interesse für Kultue und Geschichte dieses Westrandes von Europa entwickeln. Es ist hier nicht der Ort, diesen Vorgang psychologisch oder (europa)politisch zu untersuchen; festzuhalten ist jedoch, daß ein gewisser Teil dieses Interesses auch in der Form von bloßer Neugier auf die immer noch hörbaren (und im öffentlichen Raum neuerdings besser sichtbaren) keltischen Sprachen projiziert wird. So erklären sich (anfängliche) Teilnehmerzahlen von 80 Personen in einem Volkshochschulkurs für Irisch im Ruhrgebiet, oder dreimal so viele Anmeldungen für einen Universitätssprachkurs Irisch I wie für Italienisch I.

Selbstverständlich wäre es verfehlt, solche Zahlen als unmittelbare Indikatoren eines stabilen Marktes entsprechenden Umfangs zu deuten. Sie zeigen aber eine völlig veränderte Situation auf gegenüber dem europäischen Durchschnittsbewußtsein der 70er-Jahre. Dies bedeutet auch, daß die wenigen Experten, über die dieses Land verfügt, gefordert sind, ihre Sachkenntnis zur Verfügung zu stellen. Dies umso mehr, als der Gesamtkomplex ``Kelten'' mittlerweile einen nicht unerheblichen Anteil der esoterischen Selbst- und Wahrheitsfindungsversuche ausmacht, dem die Fachwissenschaft bisher nur wenig entgegengesetzt hat.

Vor diesem Hintergrund ist die Idee einer öffentlichen Bildungseinrichtung mit keltologischer Thematik plausibel: ein Celticum in Deutschland kann heute auf ein breites, vielseitiges und anhaltendes Interesse stoßen. Als Sprachlehrinstitut ist es allerdings ungewöhnlich allein deshalb, weil zwei normale Hauptmotive für den Fremdsprachenerwerb grundsätzlich wegfallen: (a) man benötigt diese Sprachkenntnisse nicht, um sich in den betreffenden Gegenden bequem verständigen zu können; (b) man kann sie zur Erwirtschaftung eines Marktvorteils oder finanziellen Gewinns in aller Regel ebensowenig brauchen (Wenn Anfragen nach irischsprachigen Stimmen für Werbespots (in Deutschland) sich häufen sollten, könnte sich an diesem Befund allerdings etwas ändern).

4. In Verbindung mit dem Zweiten Symposium deutschsprachiger Keltologen, das im April 1997 an der Universität Bonn stattfand, wurde ein Verein gegründet, dessen vorrangige Aufgabe darin besteht, ein Studienhaus für keltische Sprachen und Kulturen (SKSK) aufzubauen und zu fördern. Mittlerweile hat sich der größte Teil der Keltologen in Deutschland, darüberhinaus aber auch manche ausländischen Kollegen durch Mitgliedschaft in dem entsprechenden Förderverein diesem Projekt seine Unterstützung zugesagt.

Das SKSK soll als überregionale Institution das fachliche Interesse an den keltischen Sprachen bündeln und aufgreifen, da sich aufgrund der geringen Expansionsmöglichkeit der bestehenden akademischen Institutionen keine dezentrale Lösung anbietet. Darüberhinaus soll es aber auch den nichtakademischen Sektor der Erwachsenenbildung auf diesem Gebiet sachkundig und verantwortungsvoll abdecken.

Gerade in den letzten Jahren haben sich die Sprachlehrangebote innerhalb der keltischen Länder erheblich vermehrt, und der Anschluß an moderne didaktische Konzepte scheint innerhalb sehr kurzer Zeit erfolgreich vollzogen zu sein (Als herausragendes Beispiel sei Sabhal Mòr Ostaigh auf der Hebrideninsel Skye erwähnt, das sich innerhalb weniger Jahre, ausgelöst durch eine großzügige private Spende, von einer gälischen Sprachschule zum Kern einer komplexen Hochschule entwickelt hat). Für die ausländische Klientel bestehen somit für alle vier Sprachen jetzt ausgezeichnete Möglichkeiten, sich in die jeweilige Sprache in ihrer eigenen Umwelt einzuarbeiten. Das SKSK sieht in dieser Situation seine Aufgabe und Chance vorrangig darin, (a) Lerner auf solche Angebote im Ausland vorzubereiten, und (b) weniger aufwendige Formen von Weiterbildung, Übung und Spezialisierung anzubieten. Zu dem ersten Punkt ist zu bemerken, daß der Fremdsprachenerwerb durch Vermittlung einer weiteren Fremdsprache (Englisch bzw. Französisch) eine grundsätzliche Erschwernis darstellt, gleich wie gut die Unterrichtssprache beherrscht wird. In der Regel werden daher alle Intensivkurse im SKSK von zwei Lehrkräften abgehalten: einem deutschsprachigen, linguistisch und didaktisch geschulten Keltologen, und einem native speaker mit ausreichender Lehrerfahrung. Was (b) betrifft, so dürften Übungs-, Wiederholungs- und Konversationskurse ebenso wie Kurse für besondere Interessenten- und Fachkreise durchaus auf Interesse stoßen.

5. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage nach geeigneten Lehrmitteln. Während in den keltischen Ländern die Produktion moderner Sprachlehrwerke und anderer didaktischer Medien seit einigen Jahren einen beachtlichen Aufschwung genommen hat, liegt auf deutsch neben einem Miniatur-Sprachführer (Kabel, Lars: Irisch-Gälisch Wort für Wort. 3. Aufl. 1998) nur ein akademisch orientiertes Lehrbuch (Ó Siadhail, Mícheál/A. Wigger: Lehrbuch der irischen Sprache. Hamburg 2. Aufl. 1992) für Irisch vor; ein irisch-deutsches Wörterbuch soll demnächst erscheinen. Für die übrigen Sprachen fehlt jedes deutschsprachige Lehrmaterial. Die in den Kursen am SKSK verwendeten Materialien sollen nach einer angemessenen Erprobungszeit als Lehrbücher, Textsammlungen und Referenzwerke herausgebracht werden; soweit es die Ressourcen erlauben, kann das Haus hier auch selbst verlegerisch tätig werden. Schon jetzt liegt die Lizenz zur Übersetzung bzw. Anpassung eines sehr erfolgreichen modernen Lehrwerks für Schottisch-Gälisch vor. Auch die Entwicklung bzw. Adaptation von computergestützten Lehrmitteln ist vorgesehen.

Für die Vermittlung der strukturellen Eigenheiten von Fremdsprachen sollten die jeweiligen Vorgaben der Erstsprache der Lerner (soweit als einheitlich vorauszusetzen) angemessen berücksichtigt werden, was im Prinzip kontrastive Voruntersuchungen erfordern würde. In abgeschwächter Form sollte zumindest bei der Bearbeitung von Lehrmitteln für englischsprachige Lerner auf eine angemessene Gewichtung geachtet werden. So ist etwa die Einführung der Kategorie ``Genus'' im Nominalsystem an sich für Deutschsprachige weniger gravierend (obgleich von einem dreigliedrigen System (m/f/n) auf ein zweigliedriges (m/f) überzuwechseln ist). Andererseits muß bei der Vermittlung aspektueller Verbperiphrasen, die z.T. den englischen Verlaufsformen recht nahestehen, aus der Sicht der deutschen Verbgrammatik grundsätzlich neues sprachliches Denken eingeleitet werden.

Einige strukturelle Eigenschaften, die die keltischen Sprachen insgesamt kennzeichnen, sind allerdings Sprechern beliebiger europäischer Sprachen gleichermaßen fremd: hierzu gehört das Prinzip der grammatisch bedingten Anlautveränderungen (Mutationen), oder im Bereich der Syntax die Spitzenstellung des Verbs, um nur zwei herausragende Beispiele zu nennen, die sich schon in den einfachsten Äußerungen von Anfängern manifestieren.

Bedingt durch ihren schwachen gesellschaftlichen Status zeigen alle keltischen Sprachen einen relativ schwachen Grad von Standardisierung auf, so daß die nicht unerhebliche dialektale Differenzierung selbst in schriftlicher Verwendung durchscheint. Die gesprochene Sprache ist durchweg regional fixiert, da man selbst in Irland bis heute keine überregionale ``Hochlautung'' festlegen, geschweige denn durchsetzen konnte. Hieraus ergibt sich für Lerner offensichtlich ein Problem, da die Konfrontation mit erheblicher sprachlicher Variation vor allem in der Anfangsphase eine große Belastung darstellt, die normalerweise im FSU mit Recht vermieden wird. Für den Unterricht im SKSK wird eine Orientierung an solchen Dialekttypen angestrebt, die sich durch eine hohe Vitalität auszeichnen und die darüberhinaus strukturell möglichst neutral bzw. zentral sein sollten (Für das Irische sind beide Kriterien durch den Dialekt von Co. Galway erfüllt; phonologisch und grammatisch vermittelt er in einigen wichtigen Kriterien zwischen den südlichen und den nördlichen Dialekten.).

6. Neben der oben skizzierten didaktischen Entwicklungsarbeit soll im SKSK auch originäre Forschung im gesamten Bereich der Neokeltistik angesiedelt werden. Schon jetzt, vor der eigentlichen Gründung des Hauses, liegen mehrere Vorschläge und Projektentwürfe vor. So ist die Erarbeitung von Kurzgrammatiken der vier Sprachen auf der Basis eines einheitlichen Konzepts angeregt worden und könnte in absehbarer Zeit verwirklicht werden. Ein umfangreiches linguistisches Projekt ist die Erarbeitung eines Lexikons irischer Verben, zu dem bereits Voruntersuchungen und Entwürfe vorliegen. Auf dem Gebiet der Dialektologie wäre die Entwicklung von Wortatlanten als vorrangiges Desideratum zu nennen. Selbstverständlich sind solche Projekte nur in enger Zusammenarbeit mit entsprechenden Forschungseinrichtungen in den keltischen Ländern sinnvoll; die hierfür notwendigen personellen Kontakte und Austauschbeziehungen bestehen ohnehin.

Ebenfalls angeregt durch interessierte Einzelpersonen sind Projekte auf dem Gebiet der literarischen Übersetzung. Die Werke moderner Autoren in irischer oder kymrischer Sprache etwa, die oft auch mangels englischer Übersetzungen relativ unzugänglich sind, könnten so neue Leserschichten im Ausland finden. Zur Vermittlung und Förderung solcher Vorhaben existieren Organisationen wie Irish Literary Exchange bzw. Welsh Arts Council, und das Interesse deutscher Verlage beginnt sich zu regen. Mit der Übersetzung des Romans Cré na Cille von Máirtín Ó Cadhain, gemeinhin als Höhepunkt der neueren irischen Prosaliteratur angesehen, ist bereits begonnen worden.

7. Als institutioneller Rahmen für derartige Aktivitäten ist ein universitärer Status zweifellos vorteilhaft; denn eine reine ``Sprachenschule'' wird sich kaum eine so anspruchsvolle Forschungs- bzw. Übersetzungsabteilung leisten können. So ist mit entscheidender Unterstützung des MWF in Düsseldorf eine enge Anbindung an die Universität Bonn eingeleitet worden, die auch von der Hochschulspitze positiv angenommen wurde. Allerdings erlaubt die Haushaltslage keine umfassende Neufinanzierung mit staatlichen Mitteln. Die Lücke soll der Förderverein SKSK e.V. schließen, und zwar durch Einwerbung von Zuschüssen und Spenden sowie durch Mitgliedsbeiträge.

Der finanzielle Bedarf umfaßt zunächst im wesentlichen die Kosten für die Unterbringung des Studienhauses. Ein für die Zwecke des SKSK sehr gut geeignetes Haus in der Nähe von Bonn steht zur Verfügung und wird gegenwärtig bezogen. Möblierung und Geräteausstattung sowie der Grundstock einer Fachbibliothek sind gesichert, und die ersten Sprachkurse finden Ende September 1998 statt (Trotz verhältnismäßig geringer Werbemaßnahmen ist die Nachfrage zufriedenstellend. Die Kursteilnehmer sind von ihren Voraussetzungen her verhältnismäßig breit gestreut, d.h. etwa ein Drittel sind Nichtakademiker, und die Erfahrungen mit diesen ersten Kursen werden erweisen, ob in Zukunft eine feinere Differenzierung des Kursangebotes ratsam ist. Etwa die Hälfte der Interessenten kommt aus dem Köln-Bonner Raum, ansonsten ist die geographische Streuung sehr groß. Für die Unterbringung der auswärtigen Gäste stehen Pensionen in der Nachbarschaft zur Verfügung).

Das Spendenaufkommen zugunsten des SKSK steht bisher in einem recht ungünstigen Verhältnis zu dem damit verbundenen Aufwand. Dies erklärt sich aus dem zunehmenden Druck, dem sich mögliche Sponsoren aus der Privatwirtschaft heute ausgesetzt sehen; zudem ist die Thematik für diesen Sektor völlig untypisch, teilweise auch unverständlich. Im übrigen ist die Finanzierung spezifischer Einzelprojekte auf diesem Wege leichter zu erreichen als die Sicherstellung einer Grundfinanzierung. Zur Zeit wird daher in Absprache mit dem zuständigen Dubliner Ministerium, das seinen Anteil an der Grundfinanzierung bereits zugesagt hat, ein Modell entwickelt, wonach die vier Länder/Regionen zu gleichen Teilen für diese Kosten aufkommt.

Diese ``pankeltische Ringfinanzierung'' trägt der Tatsache Rechnung, daß sich das SKSK durchaus zu einem gemeinsamen keltischen Kulturzentrum in Deutschland entwickeln kann. Die personellen und institutionellen Beziehungen mit den vier Ländern sind gut entwickelt, was sich auch darin zeigt, daß mehrere namhafte Keltologen in Irland, Schottland und Wales dem Beirat des Hauses angehören. Neben den beschriebenen Hauptaktivitäten kann das Haus schließlich auch für einschlägige kulturelle Veranstaltungen in Bereichen wie Kunst, Literatur, Musik usw. dienen sowie als Informations- und Dokumentationsstelle fungieren. Damit wäre das SKSK ein Forum der auswärtigen Kulturpolitik der keltischen Länder. Im übrigen haben viele Vertreter von Minderheitensprachen und -kulturen verstanden, daß das Überleben dieser nach wie vor bedrohten Facetten der europäischen Kultur nicht nur von Maßnahmen und Entwicklungen in den jeweiligen Regionen abhängt, sondern auch von dem Interesse, das ihnen im Ausland entgegengebracht wird.





Copyright © 2005 SKSK Königswinter, Letzte Aktualisierung: 24.11.09

 



Copyright © 2005 SKSK Königswinter, Letzte Aktualisierung am 01.12.2010 um 09:37:38 Uhr